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Offener Brief zur Corona-Situation im Landkreis

Artikel vom 18.11.2021

Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger,

 

die Corona-Lage im Kreis Tuttlingen ist dramatischer als wir es uns bislang vorstellen konnten. Die Fallzahlen explodieren, wir verzeichnen so viele Neuinfektionen wie nie zuvor und ein Ende dieser Entwicklung ist nicht in Sicht. Es ist nur noch eine Frage der Zeit, bis unser Klinikum Patienten abweisen muss. Seit Tagen füllen sich sowohl die Normal- als auch die Intensivstation. Und dabei fallen zwei Dinge auf: Es sind immer mehr jüngere Menschen, die behandelt werden müssen. Und die meisten von ihnen sind ungeimpft.

 

Die Belastung für die Pflegekräfte, für die medizinischen Angestellten, für die Ärztinnen und Ärzte wird von Tag zu Tag schlimmer. Und sie ist schon jetzt kaum mehr erträglich. Auch die Arztpraxen stoßen an die Grenze ihrer Belastbarkeit. Wir steuern also sehenden Auges auf die Katastrophe zu. Und wir müssen es leider so deutlich sagen: Wenn es uns nicht gelingt, diese Entwicklung zu stoppen, werden wir in schwierige Grenzsituationen kommen. Was passiert dann mit Menschen, die zum Beispiel nach einem Schlaganfall oder einem Autounfall nicht angemessen versorgt werden können, weil alle Betten belegt und alle Ärzte ausgelastet sind?

 

Leider gehört der Landkreis Tuttlingen auch zu den Landkreisen, in denen die Impfquote unter dem ohnehin schon geringen Bundesdurchschnitt liegt. Und leider erkennt man auch bei uns, dass es einen eindeutigen Zusammenhang zwischen der Impfquote und der Auslastung unseres Klinikums gibt. Die nötigen Auffrischungsimpfungen haben erst begonnen und bei älteren Menschen, die frühzeitig geimpft wurden, lässt der immunisierende Schutz nach.

 

Wir alle wissen: Natürlich können sich auch Geimpfte infizieren. Natürlich können auch Geimpfte schwer erkranken. Natürlich können auch Geimpfte das Virus weitertragen. Aber die Wahrscheinlichkeit ist eben um ein Vielfaches geringer. Die Situation an unserem Klinikum zeigt, dass viele Personen mit schweren Verläufen ungeimpft sind. Wollen wir vor diesem Hintergrund weiterhin auf unser Recht beharren, ungeimpft zu bleiben, obwohl wir dadurch nicht nur uns, sondern auch andere stärker gefährden als nötig?

 

Wenn wir die verheerende Entwicklung nachhaltig stoppen wollen, gibt es nur eine Möglichkeit: Wir müssen die Zahl der Impfungen deutlich steigern. Die entsprechenden Angebote bauen wir gerade auf. Neben den Impfungen durch niedergelassene Ärzte werden im Landkreis Tuttlingen demnächst durch mobile Impfteams von montags bis samstags an verschiedenen Orten Impfungen angeboten. Jetzt liegt es an Ihnen: Nutzen Sie diese Möglichkeit und lassen Sie sich impfen. Und falls Sie bereits geimpft sind: Lassen Sie Ihre Impfung auffrischen.

 

Doch selbst wenn sich in den kommenden Tagen und Wochen Tausende impfen lassen sollten: Das Virus hat sich bereits so stark verbreitet, dass wir alle unser Verhalten überdenken müssen – egal ob geimpft oder ungeimpft. Auch deshalb wenden wir uns heute gemeinsam an Sie und bitten Sie: Beachten Sie die geltenden Regelungen und Hygienekonzepte. Hinterfragen Sie die Notwendigkeit von Zusammenkünften und Ansammlungen größerer Gruppen, bleiben Sie im Zweifel lieber zu Hause. Schützen Sie ältere Menschen, vor allem auch Angehörige durch besondere Vorsicht beim sozialen Umgang und durch Beachtung der bekannten Regeln, auch wenn diese zu Beginn des Jahres geimpft wurden. Denn hier geht es nicht um die rechtliche Frage, was erlaubt ist und was nicht. Sondern vor allem um eine moralische Entscheidung. Wollen wir wirklich bedenkenlos Geselligkeit pflegen und Normalität spielen, während im Klinikum Menschen um das Überleben anderer kämpfen?

 

Unser Klinikpersonal, die Pflegerinnen und Pfleger, die Ärztinnen und Ärzte, auch in den Praxen, sowie die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Gesundheitsamtes leisten in einer schwierigen Zeit Hervorragendes. Es ist unsere gemeinsame Verpflichtung als Gesellschaft, dass jeder mit seinem Verhalten seinen eigenen Anteil dazu beiträgt, diese Arbeit bestmöglich zu unterstützen. Stehen wir zusammen und helfen wir uns gegenseitig!

 

Stefan Bär, Landrat

Michael Beck, Oberbürgermeister Stadt Tuttlingen

Rudolf Wuhrer, Kreisverbandsvorsitzender Gemeindetag Baden-​Württemberg

Dr. Sebastian Freytag, Geschäftsführer Klinikum Landkreis Tuttlingen

Dr. med. Matthias Szabo, Pandemiebeauftragter der Kassenärztlichen Vereinigung im Landkreis Tuttlingen

 
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